Japan und seine Architektur

Das japanische Inselreich

Das japanische Inselreich erstreckt sich über eine Länge von ~2800 km von Nord nach Süd, wobei der Großteil in warmer bis subtropischer Zone liegt. Es besteht aus "vier" Hauptinseln - Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu - und ca. 4000 kleineren Inseln, Okinawa miteingeschlossen.

Das Zentralmassiv von Honshu, der Hauptinsel, wird von der Fuji-Vulkankette und der Fossa Magna-Falte von der japanischen See im Westen bis zum Pazifik im Osten, gebildet. Dadurch wird das Land in zwei Großregionen geteilt - Kanto im Nordosten und Kansai im Südwesten, die ihrerseits wieder durch die so genannten japanischen Alpen getrennt werden.

Die erste Besiedlung des japanischen Inselreiches dürfte in der späteren Steinzeit erfolgt sein, aus der sich mit Einwanderern aus Asien die heutige japanische Nation gebildet hat, wobei eine Minderheit - die Ainu - heute noch auf Hokkaido existiert.

Das alte Japan hatte hauptsächlich Kontakt zu Korea und China; die kontinentale Kultur erreichte Japan zuerst über Korea und später dann direkt von China aus. Buddhismus und Konfuzianismus gewannen einen überwältigenden Einfluss auf Japans Bevölkerung und damit verbunden auf Architektur und Kunstschaffen, wie wohl auch auf die Stadtplanung. Chinesische Planungs- und Konstruktionsmethoden sowie Dekorationen wurden besonders im 8. Jh. unter dem starken Stimulus der T'ang verwendet. Der Rasterplan von Kyoto (Heian) wie jener der beiden vorangegangenen Hauptstädte (Asuka, Nara) basierte direkt auf dem Schema der Hauptstadt der T'ang-Dynastie, Ch'ang An. Die Stadt ist zweigeteilt durch eine Nord-Südachse - einer Avenue, die zum Kaiserpalast führt.

Dieselben Prinzipien wie für die Stadtplanung wurden für die buddhistischen Tempel angewendet. Die Architektur des "gemeinen" Volkes unterschied sich jedoch wesentlich und blieb der Asymmetrie früherer Tage treu. Aber über die Jahrhunderte blieben in der Architektur die Stile buddhistischer Klöster erhalten.

Von Beginn der Kamakura-Zeit (1185-1392) an war es besonders der Zen-Buddhismus, der einen bestimmenden Einfluss auf die japanische Bevölkerung hatte. Shinto (Weg der Götter - ursprüngliche Religion der Japaner) litt unter der langen Periode buddhistischer Dominanz, in der ihre Gebäude mit unangebrachten, geborgten buddhistischen Details versehen wurden.

Die vom Tokugawa-Shogunat befohlene totale Isolierung Japans - beginnend mit 1633 - wurde 1868 durch die Wiedereinsetzung des Kaisers aufgehoben und nun begann ein stürmisches Aufsaugen westlicher - europäischer - Ideen, die zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg Japans führten, die aber auch, genährt mit der alten japanischen Furcht von der Abhängigkeit ausländischer Rohstoffe, zu einem erstarkendem Militarismus führten (Chinafeldzug 1895-1895, Russlandfeldzug 1904-1905, Eroberung Koreas).

Für mich als ehemaligen "post graduate student" (1976-1978 an der Technischen Universität Tokyo - historische japanische Architektur und Gartenkunst - und 1986-1987 als Forschungsstipendiat an der Universität Kyoto) tritt die Seele Japans in der Kultur Kyotos am Besten in Erscheinung: Gärten, Tempel aus fast allen historischen Epochen, zum Teil in sehr gutem Zustand, zeigen ein Japan von einzigartigem Reiz.
Im Gegensatz dazu die Metropolen Tokyo und Osaka - die dem neuen pulsierenden Japan zuzuzählen sind, aber auch das ist japanisch. Tradition und Moderne sind in Japan keine Gegensätze, sondern ergänzen einander.


Japanische Architekturgeschichte

Die Frühzeit Japans ist gleichzusetzen mit der Periode des Niedergangs des Römischen Reiches und mit dem Aufstieg der Han-Dynastie in China, ~300 Jahre nachdem der Buddhismus auf seinem langen Marsch ostwärts Japan erreichte.

Die Übermittlung fremden Gedankengutes fand nicht kontinuierlich statt, sondern war durch lange Unterbrechungen gekennzeichnet bzw. kam teilweise sogar zum Stillstand. Dies wiederum führte zu einem Aufarbeiten, Bewerten und Assimilieren des Überbrachten, woraus eine selbständige japanische Architektur resultierte.

Die vor der Mitte des 6. Jh. vorherrschende Architektur ließ kaum oder gar keine außerjapanischen Einflüsse sichtbar werden. Mit der neuen Religion, dem Buddhismus und seinen Zeremonien, der um die Mitte des 6. Jh. nach Japan kam, wurden auch dessen Bautradition aus China und Korea übernommen.

Die Architektur, die man mit dem Buddhismus vom Festland übernahm, war monumental und selbstbewusst. Es war eine chinesische Architektur, alt und hoch entwickelt wie die chinesische Kultur selbst. Der erste größere Tempel in Japan war der Shitennoji (Osaka).

Die Chinesen sahen im Himmel eine ungeheuere Größe, der einer unumstößlichen Gesetzmäßigkeit unterworfen ist. Für die chinesischen Philosophen drückte diese immense Rhythmik und Ordnung alles das aus, was gut, ideal und schön war. Es war das Symbol und die Quelle aller moralischen Gesetze. Die Ordnung, die den Himmel regierte, sollte auch auf Erden ausgeführt werden können, indem das Chaos auf Erden in etwas transformiert wurde, das dem himmlischen Ideal näher kam. Die Ideale, die über die Astronomie erfahren wurden, formten einen Architekturstil, dessen augenscheinlichste Charakteristik Symmetrie ist und der immer nach geometrischer Reinheit und Form strebte. Als eines ihrer Hauptkriterien zeigt die chinesische Architektur kaum Interesse an der Umwelt. Ihre Qualitäten - die Achse, die Symmetrie, der mathematische Rhythmus, die geometrische Form - sind der pikturesken Natur entgegen gesetzt.
All diese Theorien und Praxis waren dem Denken der Japaner fremd. Die Japaner hatten kein Bestreben, in ihrer Architektur gegen die Natur anzukämpfen. Ihr Ziel war, mit der Umwelt in Einklang zu sein so wie ihr tägliches Leben mit der Natur verbunden war.

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